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Wehr, Wasserwirtschaft und Wäldchen pflanzen

Gemeinsam müde, satt und glücklich mit Berufsorientierung und Naturschutz

Gelungene Veranstaltungen sollten Augenöffner sein. Gemessen daran war der Projekttag „Wehr, Wasserwirtschaft und Wäldchen pflanzen“ ein voller Erfolg, auch wenn der Tag im dichten Nebel und mit dem ersten überraschenden Problem begonnen:

Das nicht gerade kleine Bauwerk, das auch nicht gerade wenig gekostet hat, war gar nicht leicht zu finden.

Am Wehr angekommen bekamen die Techniker erst einmal große Augen, wie intensiv sich Wasserwirtschaftsamt, Flussmeisterei und Landschaftsplanung für die 18 Schüler*innen der FOSBOS vorbereitet hatten. Drei Akademiker hatten Informationen zu Flora und Fauna, zu technischen Details der Wehranlange, zu den notwendigen wasserwirtschaftlichen und umweltplanerischen Vorarbeiten und vieles mehr schülergerecht und anschaulich aufbereitet. Auch die Wehranlage stand zur Besichtigung bereit und die Bäumchen warteten schon nebenan.

Zum Einsatz kamen als erstes aber die selbst angefertigten Brotzeitbrettchen von Herrn Scherr. Denn hungrig arbeiten – das kam für die Techniker natürlich nicht in Frage. Mit Wurst oder Käse und Bauernbrot im Mund konnten dann auch gleich die ersten fachlichen Infos gut gelaunt verdaut werden. Und das, obwohl die Komplexität der Maßnahme „Wehrrück- und -umbau“ alle FOSBOSler*innen verblüffte.

Es ist eben nicht mit einem Bagger getan, sondern bei so einem Projekt muss viel bedacht werden zwischen Ästhetik – Artenvielfalt und Anwohnerzufriedenheit.

Dass das Wasserwirtschaftsamt mit diesem Projekt wirklich auf vielen Ebenen vieles besser machen wird, das konnten die Techniker nicht nur hören, sondern auch sehen und mit allen Sinnen erfahren: Das hässliche Betonwehr, das den Fluss an dieser Stelle weitgehend zum Stillstand brachte, wird durch ein deutlich weniger invasives Bauwerk ersetzt, das es z. B. den Fischen ermöglicht, an einer Seite auch wieder flussaufwärts zu schwimmen.

Was die Wasserlebewesen freut, besorgt allerdings z.T. die Anwohner*innen, die neue Instabilitäten des Untergrunds durch die Umbauten befürchten. Auch ihre Bedenken müssen natürlich umsichtig ausgeräumt werden. Damit es in Flora und Fauna nicht zu ungewollten Kollateralschäden während der Bauphase kommt, hilft das, was die Schüler*innen der FOSBOS am meisten interessiert (sonst hätten sie diesen Zweig nicht gewählt): Die Technik.

Technisch aufwändige Probebohrungen in unterschiedlichem Untergrund, Kameraeinsatz auch unter der Erde und die Anwendung von Forschungsergebnissen aus Biologie, Ökologie garantieren, dass am Ende für alle Betroffenen (Mensch und Tier) das bestmögliche Ergebnis geliefert werden kann.

Wie viel Energie und Geld tatsächlich aufgewendet wird, um sicherzugehen, dass Muscheln, Fledermäuse, Vögel uvm. nicht in ihrem Bestand gefährdet werden, beeindruckt und macht dieses hochinteressante Berufsfeld, das sich den Schüler*innen an diesem Tag bei strahlendem Sonnenschein präsentiert, auch einfach sympathisch.

Dass Hightech auch dafür gut sein kann, der Natur gegenüber anderen Ansprüchen zu ihrem Recht zu verhelfen, zeigt sich an der zweiten Station. Platz zum Pflanzen war für die Techniker nur vorhanden, weil digitale Satellitenaufnahmen beweisen, dass die anliegenden Landwirte ihre Anbauflächen zu Unrecht ausgeweitet haben.

Mit diesem digitalen Beweis in der Hand, konnte dann die Fläche millimetergenau für die Traubenkirsche, Schwarzerle, Weide und viele mehr in Beschlag genommen werden.

In den Boden mussten die ca. 30 Pflanzen dann von der Muskelkraft der Schüler*innen gebracht werden. Zwar half beim Löcher schaffen ein Pflanzbohrer. Wasser vom Fluss, Erdbewegungen, das Anbringen eines Biberschutzes und die Pflanzung selbst lag aber in den dreckverschmierten Händen der FOS-Techniker*innen.

Am Ende konnten alle müde, stolze und glücklich zurück in den Bus krabbeln. Mit nach Hause genommen wurde neues Wissen über eine ganze Latte von attraktiven Berufen: Vom Bauingenieur, über Landschaftsplanung bis hin zu Biologie und Verwaltung.

Mitgenommen wurde aber auch das Gefühl, gemeinsam etwas aktiv geschaffen zu haben: Ein kleines Stückchen vielfältigen und klimafitten Auwald.

Dass die Techniker*innen anpacken können, daran hatten Herr Ettl, Herr Motz und Frau Dr. Gall am Nachmittag dieses schönen Herbsttages keinerlei Zweifel mehr.

Text: V. Bauer und W. Richthammer, Fotos: W. Richthammer

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