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Interview mit Jungunternehmer

Zu Gast bei Pfotenkost

Nachhaltigkeit spielt eine immer größer werdende Rolle. Jedoch ist es nicht leicht, Wirtschaftlichkeit & eine gewisse Selbstlosigkeit miteinander zu vereinbaren. 

Ein Interview von Lea Boller mit Pfotenkost-Gründer Florian Most.

Das Layout von Christian Melchior

„Die Liebe zum Hund hat mich Unternehmer werden lassen.“

Denken Sie, gewinnorientiertes Unternehmer-Dasein und eine Neigung zum Altruismus lässt sich in unserem aktuellen Wirtschaftssystem vereinbaren?

– Meiner Meinung nach schließt das eine das andere nicht aus, aber dennoch ist es natürlich eine Kombination, die in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt, wenn zu beiden Punkten noch eine gewisse Naivität hinzukommt.

In meinem Fall hoffe ich darauf, dass sich beides vereinbaren lässt, weil meine Kunden einfach einen Mehrwert erhalten, der schnell sichtbar und spürbar die Lebensqualität der Hunde und Katzen verbessert und weil aktuell zum Glück ein Umdenken bei vielen Menschen stattfindet.

Sie werben mit „Premium-Qualität für Tiere“. Was genau macht „Qualität“ für Sie aus?

– Qualität kommt ja bekanntlich von „quälen“ :) und sich immer wieder Gedanken zu machen, Produkte, Verpackungen etc. zu verbessern und dann auch bereit zu sein, diese Gedanken umzusetzen, ist für mich Qualität. Was es im Detail für die Produkte von Pfotenkost heißt, kann ich den Kunden gerne im direkten Gespräch erklären.

Was bewegt Sie dazu, mit so hohen Qualitätsstandards zu produzieren?

– Ein gesunder Geist kommt von einem gesunden Körper. Dies ist auch bei Hunden so. Wenn Hunde aktiv, mit allen Nährstoffen versorgt sind und keine schädlichen Magenfüller als Futter bekommen, sind diese Hunde einfach gesünder, agiler, haben nachweislich weniger Allergien und zudem wirkt es sich auch sehr auf die Psyche des Tieres aus! Ein großes Problem ist auch die kurzfristige Denkweise in unseren Köpfen. Allergien, Zahnprobleme, etc. kommen teilweise erst nach 4 bis 5 Jahren aufgrund schlechter Fütterung. Dann sind vierstellige Tierarztkosten keine Seltenheit und alles, was man sich durch günstiges Futter gespart hat, ist nur ein Bruchteil der dann anfallenden Kosten.

Neben der Produktion spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle. Wie nachhaltig ist Pfotenkost in Sachen Verpackung & Plastikfreiheit?

– In Sachen Verpackung steht Pfotenkost wirklich uneingeschränkt für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Ein Großteil unseres Nassfutters ist zum Beispiel in Gläsern anstatt in Dosen verpackt, unsere Snacks sind bereits seit geraumer Zeit in Papierverpackungen und am meisten bin ich stolz darauf, dass bereits ab Januar unsere Trocken-Barf Produkte in 100% biologisch abbaubare Tüten verpackt wird! Ich möchte beim Thema Nachhaltigkeit auch noch ein weiteres Thema betonen, das meiner Meinung nach zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit genießt: Die Transportwege sind bei uns durch die Produktion in Bayern mit größtenteils bayerischen Rohstoffen im Gegensatz zu Mitbewerbern sehr gering gehalten!

Nachhaltigkeit und Naturschutz sind Ihnen wichtig. Sie selbst ernähren sich vegan. Im Geschäft versorgen Sie aber fleischfressende Haustiere, Hunde und Katzen mit Nahrung. Wie passt das zusammen?

– Zu diesem Thema möchte ich einen Mentor von mir zitieren. Er hat mir einmal gesagt: „Wir sind die einzige Spezies auf diesem Planeten, welche die Möglichkeit hat, sich auszusuchen, was wir essen. Ein Löwe in Afrika steht nicht von heute auf morgen auf und beschließt, ab nun nur noch Pflanzen zu essen. Er hat einen Instinkt, dem er folgt.“

So ähnlich ist es bei Hunden und Katzen ja auch! Wir Menschen können dagegen aber schon jeden Tag eine Entscheidung treffen, wie wir uns ernähren. Ich persönlich ernähre mich aufgrund meiner Tierliebe vegan und wenn ich Hundefutter verkaufe, dann kann ich meinen Beitrag leisten, dass meine Produkte wenigstens aus keiner Massentierhaltung stammen und dass die Balance von tierischen und pflanzlichen Produkten eine gesunde für das Haustier ist.

Bei meinen Artikeln gibt es deswegen auch eine große Auswahl an Produkten, welche wichtige Nährstoffe für die Vierbeiner liefern, aber dennoch tierfrei sind. Meine Kokos-Snacks in Lebensmittelqualität sind übrigens mein gesündester und tatsächlich auch beliebtester Hundesnack :)

Weiden wird mit knapp 50.000 Einwohnern als eine Mittelstadt bezeichnet. In der Oberpfalz bleiben viele ihren Lebensgewohnheiten und der Tradition treu. Wie schätzen Sie das ein? Ist der Trend umsichtiger zu leben, bei uns bereits angekommen? Sind die Oberpfälzer bereit, für ihre Überzeugungen von richtigem Konsum auch tiefer in die Tasche zu greifen?

– Ich möchte erstmal sagen, dass ich Fan von der Kultur und Tradition Bayerns und stolz auf meine Heimat bin. Aber einige Gewohnheiten könnte man mit einer kleinen positiven Veränderung ganz einfach umweltbewusster und zeitgemäßer fortführen :) Leider ist der Trend für eine umsichtigere Lebensgewohnheit hier nur minimal angekommen, das ist wahr! Aber es wird dennoch täglich mehr und das ist, was mich positiv stimmt!

Übrigens finde ich überhaupt nicht, dass ein gesünderer und umweltbewussterer Konsum mittelfristig und langfristig teurer ist! Diesen Irrglauben muss man auch aus den Köpfen der Menschen bringen.

Wie könnte man noch mehr Oberpfälzer dazu bewegen?

– Auf keinen Fall mit Verbot oder von oben herab! Eine Veränderung entsteht nur durch eigene Überzeugung! Und wir Oberpfälzer sind halt manchmal zu gemütlich, uns für Veränderungen zu begeistern :)

Für welche Werte steht „Pfotenkost“ darüber hinaus ein?

– Ich könnte jetzt viele „Werte“ aufzählen, aber am Ende geht es doch darum, diese auch umzusetzen! Ein jeder Kunde, egal mit welchen Problemen oder Produktfragen er in den Laden kommt, wird gleich freundlich behandelt und wird unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Budget oder Impfstatus gleich respektvoll behandelt! Ich finde, mit diesen Basics ist schon ein großer Teil geleistet!

Dass ich weiterhin im Tierschutz beim Kampf gegen die Welpenmafia aktiv bin, geschieht ja unabhängig von meiner Selbstständigkeit.

Wie schwer ist es, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es Anlaufschwierigkeiten?

– Die Steine, die einem vor allem in der Gründungsphase in den Weg gelegt werden, sind immens. Ich würde lügen, wenn ich was anderes behaupten würde. Aber es muss einfach jedem Start-Up Unternehmer klar sein, dass es im Business ums „nackte Überleben“ geht und dass einem nichts geschenkt wird! Sich und seinen Werten dabei treu zu bleiben, ist eine enorme Leistung, wie ich finde.

Viele Unternehmen gerade im Einzelhandel jenseits der Supermärkte beklagen Umsatzeinbußen. Stellt Sie die Pandemie auch vor Schwierigkeiten?

– Die aktuelle Situation ist wirklich verrückt und geht an die Substanz!
Mit Umsatzeinbußen im Einzelhandel jenseits der Supermärkte muss man einfach rechnen. Ich bleibe mit meinem Unternehmen von diesen Problemen, die diese Situation mit sich bringt, leider auch nicht verschont.

Welche Tipps haben Sie für die angehenden Wirtschaftler/innen der FOSBOS Weiden mit eigenen Plänen zur Unternehmensgründung?

–  Ganz wichtig ist es, eine Vision zu haben und der Gesellschaft durch die eigene Unternehmensgründung einen Mehrwert bieten zu wollen! Wenn dies gegeben ist, kann ich nur noch Folgendes raten:

just do it! :)

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